Der große FC Barcelona – einst Synonym für Glanz, Titel und die größten Stars der Fußball-Welt – kämpft noch immer mit den Folgen eines finanziellen Absturzes, der den Klub beinahe in die Knie gezwungen hätte.
Was nach außen oft noch wie eine Erfolgsstory aussieht, ist hinter den Kulissen ein Drahtseilakt. Zwar gehört Barça mit einem Jahresumsatz von rund 975 Millionen Euro weiterhin zu den umsatzstärksten Vereinen der Welt, doch der Preis für frühere Größenwahn-Jahre ist gewaltig: Der Schuldenberg liegt inzwischen bei rund 2,5 Milliarden Euro.
Präsident Joan Laporta, gerade erst mit deutlicher Mehrheit im Amt bestätigt, feierte seinen Wahlsieg ausgelassen mit Gesängen und Tanz. Doch die Realität nach dem Jubel ist knallhart. Denn in seiner neuen Amtszeit geht es nicht nur um Titel – es geht um nichts weniger als die wirtschaftliche Zukunft des Vereins.
Besonders bitter: Der FC Barcelona darf sich seit Jahren auf dem Transfermarkt nicht mehr so bewegen, wie es ein Weltklub eigentlich gewohnt ist. Große Einkaufstouren sind wegen der angespannten Finanzen kaum möglich. Dass Barça trotzdem wieder an der Spitze von La Liga mitmischt und im Viertelfinale der Champions League steht, ist vor allem der eigenen Talentschmiede zu verdanken. Zahlreiche Leistungsträger stammen direkt aus dem eigenen Nachwuchs.
Die jungen Spieler sind damit nicht nur sportlich Gold wert – sie helfen dem Klub auch finanziell. Der Marktwert und das wirtschaftliche Standing des Vereins haben sich zuletzt wieder verbessert. Merchandising und Trikotverkäufe laufen stark, sogar besser als bei Erzrivale Real Madrid. Auch die Gehaltskosten sind inzwischen deutlich besser unter Kontrolle als noch in den schlimmsten Krisenjahren.
Denn damals war Barcelona ein Fall für die Intensivstation. Über Jahre hatten die Verantwortlichen den Stars immer neue Millionen-Verträge gegeben, um sie zu halten und die Mitglieder bei Laune zu halten. Vor allem in der Messi-Ära wurde tief in die Tasche gegriffen. Der Argentinier erhielt immer wieder verbesserte Verträge und kassierte am Ende Summen, die selbst im Spitzenfußball herausragend waren.
Doch irgendwann kam die Rechnung. Im Sommer 2021 musste Barcelona ausgerechnet Vereinsikone Lionel Messi ziehen lassen. Ein Schock für die Fans, ein historischer Moment für den Klub. Die Trennung war schmerzhaft – aber offenbar unvermeidbar. Die strengen Finanzregeln machten ein Weiter-so unmöglich.
Um überhaupt handlungsfähig zu bleiben, griff Laporta zu drastischen Mitteln. Klubanteile wurden verkauft, Medienrechte zu Geld gemacht, künftige Einnahmen teilweise vorgezogen. Barcelona betrieb Finanzakrobatik auf höchstem Niveau, um sportlich nicht völlig den Anschluss zu verlieren.
Jetzt ruht die große Hoffnung auf einem einzigen Mega-Projekt: dem neuen Stadion. Es soll zum Retter des Traditionsklubs werden. Für den Umbau und die Modernisierung wurde ein gigantisches Kreditpaket aufgenommen. Insgesamt flossen rund 1,5 Milliarden Euro in das Bauprojekt, das neben der Fußball-Arena auch weitere große Anlagen umfassen soll.
Ab 2027 soll das neue Schmuckstück dann richtig Geld in die Kassen spülen. Die Hoffnung: Statt bisher rund 150 Millionen Euro sollen künftig bis zu 400 Millionen Euro pro Saison mit dem Stadion verdient werden. Das zusätzliche Geld soll durch VIP-Bereiche, Sponsorenflächen, Tickets, Gastronomie, Museum und Veranstaltungen hereinkommen.
Doch genau darin liegt auch das Risiko. Denn funktioniert diese Rechnung nicht, bleibt Barcelona weiter auf einem gewaltigen Schuldenberg sitzen. Die Rückzahlung der Kredite ist langfristig angelegt und zieht sich bis 2050. Dazu kommen Bauverzögerungen und Unsicherheiten, die das Projekt schon jetzt komplizierter machen.
Barça lebt also weiter – aber auf Pump. Der Tod des Patienten konnte vorerst verhindert werden. Jetzt muss das neue Stadion beweisen, dass es mehr ist als nur ein Prestigeprojekt. Es soll den einstigen Klub der Stars endgültig zurück in die schwarzen Zahlen führen.
Oder anders gesagt: In Barcelona entscheidet sich in den nächsten Jahren nicht nur, wie erfolgreich der Klub spielt – sondern ob der Riese wirtschaftlich wirklich wieder auf eigenen Beinen stehen kann.
