Widzew Lodz kämpft in Polens Ekstraklasa aktuell ums sportliche Überleben – doch hinter den Kulissen wird offenbar längst an einem viel größeren Plan gearbeitet. Klubbesitzer Robert Dobrzycki soll nach Informationen des Portals onet.pl den Einstieg bei einem tschechischen Verein prüfen. Das Ziel: ein Partnerklub, in dem Widzew-Spieler regelmäßig Praxis sammeln und gezielt aufgebaut werden können.
Besonders brisant: Der Blick soll dabei ausgerechnet nach Prag gehen. Denn Widzew will offenbar nicht einfach weiter Spieler verleihen, sondern lieber einen Verein an der Hand haben, bei dem die Verantwortlichen direkten Einfluss auf die Entwicklung ihrer Profis nehmen können.
Hintergrund ist ein Strategiewechsel in Lodz. Während der Klub früher stärker auf junge Talente mit Perspektive setzte, sollen inzwischen eher erfahrene Spieler bevorzugt werden, die sofort helfen. Das sorgt jedoch auch für mehr Konkurrenz im Kader – und für Profis, die dringend Minuten auf dem Platz brauchen.
Laut onet.pl führte die erste Spur zu Dukla Prag. Der Traditionsverein galt demnach als Wunschlösung. Doch der Deal scheiterte offenbar an den Besitzverhältnissen und an unterschiedlichen Vorstellungen über die Zukunft des Klubs. Während die polnische Seite wohl eine Mehrheit anstrebte, wollte man in Prag laut einem zitierten Insider maximal 40 Prozent abgeben. Hinzu kamen abweichende Prioritäten: Widzew soll vor allem sportlichen Erfolg im Blick gehabt haben, Dukla dagegen auch Infrastruktur, Stadionumfeld und Vermarktung.
Ganz vom Tisch ist Tschechien für Dobrzycki damit aber wohl nicht. Laut dem Bericht gab es auch Kontakte zu Teplice. Das überrascht nicht ganz, denn deren Besitzer Milan Kratina soll Dobrzycki aus dem Geschäftsleben bereits seit längerer Zeit kennen.
Richtig spannend wird es aber bei einem anderen Namen: Bohemians 1905. Nach dem gescheiterten Dukla-Anlauf soll auch der Klub aus dem Prager Stadtteil Vršovice ins Visier geraten sein. Aus tschechischen Fußballkreisen wird ein konkretes Interesse zwar eher heruntergespielt. Dort heißt es, die jüngsten Kontakte zwischen dem Umfeld von Bohemians und Dobrzyckis Firma Panattoni hätten rein geschäftlichen Charakter gehabt – und nichts mit Fußball zu tun.
Die polnische Seite sieht das offenbar anders. Dort hält man an der Darstellung fest, dass Widzew einen Einstieg bei Bohemians durchaus ernsthaft ausgelotet haben soll.
Noch ist also nichts entschieden. Aber eins ist klar: Während Widzew auf dem Platz um Punkte kämpft, könnte hinter den Kulissen schon am nächsten großen Coup in Prag gearbeitet werden.
