Klare Kante aus Halle: Die HFC-Mitglieder beschließen einen umfassenden Boykott gegen RB Leipzig und Red Bull Salzburg.
Es ist ein Beschluss, der im deutschen Fußball seinesgleichen sucht. Die Mitgliederversammlung des Halleschen FC hat am vergangenen Sonntag einen Komplett-Boykott gegen RB Leipzig und Red Bull Salzburg beschlossen – und zwar auf allen Ebenen.
388 anwesende Mitglieder stimmten bei der rund vierstündigen Versammlung für einen Antrag, der ab sofort sämtliche sportlichen Berührungspunkte mit dem Brause-Konzern untersagt. Keine Testspiele, keine Freundschaftsspiele, keine gemeinsamen Turniere. Was den Beschluss besonders macht: Er gilt ausdrücklich auch für den kompletten Nachwuchsbereich und die Frauenmannschaften. Eine solche Totalverweigerung hat es im deutschen Vereinsfußball bisher nicht gegeben.
Doch damit nicht genug. Der Antrag verbietet darüber hinaus jegliche Kooperationen zwischen beiden Vereinen. Auch die Nutzung von Trainingsanlagen der Leipziger ist dem HFC ab sofort untersagt. Das hat durchaus praktische Relevanz: Erst zu Jahresbeginn hatten die Hallenser wegen schlechter Platzverhältnisse auf die Infrastruktur des Bundesligisten zurückgegriffen. Diese Option fällt jetzt weg.
Im Saal wurde der Beschluss mit reichlich Applaus bedacht. Das überrascht kaum. Die Ablehnung von RB Leipzig gehört bei Traditionsklubs im Osten zum guten Ton, doch beim HFC geht sie besonders tief. Schon 2021 protestierten Fans mit dem Banner „Keine Akzeptanz. Keine Zusammenarbeit. Kein Fußball mit RB!!!“ gegen den Transfer von RB-Torhüter Tim Schreiber nach Halle. Die Abneigung sitzt, und sie wächst.
Interessant ist allerdings, was der Beschluss nicht umfasst: Transfers von Spielern, die bei RB ausgebildet wurden, sind weiterhin erlaubt. Und das ist keine Kleinigkeit. Mit Fabrice Hartmann, Niclas Stierlin und Joscha Wosz stehen aktuell gleich drei ehemalige Leipziger im Kader des Regionalligisten. Wer also bei RB in der Jugend gespielt hat, darf für den HFC auflaufen – nur der Verein als Ganzes wird geächtet.
Pflichtspiele gegen RB-Mannschaften sind von dem Beschluss naturgemäß ausgenommen. Sollte der HFC irgendwann wieder in einer Liga gegen Leipzig antreten, würde gespielt werden. Doch alles darüber hinaus ist ab sofort tabu. Eine klare Haltung, die weit über die üblichen Protestbanner hinausgeht – und die andere Vereine in der Region aufmerksam verfolgen dürften.
