So brutal kann Fußball sein. Noch auf der Pressekonferenz nach dem 1:2 gegen Deutschland sang Otto Addo ein Geburtstagsständchen für zwei ghanaische Journalisten – auf Deutsch, zur Erheiterung aller Anwesenden in der Stuttgarter MHP Arena. Vier Stunden später war er seinen Job los.
Der ghanaische Fußballverband GFA teilte in der Nacht zu Dienstag mit, dass man sich mit sofortiger Wirkung von Addo trenne. Man danke ihm für seine Verdienste und wünsche alles Gute für die Zukunft. Mehr nicht. Kein Nachfolger, keine Erklärung, keine Perspektive – 72 Tage vor dem ersten WM-Gruppenspiel gegen Panama.
Dabei hatte Addo unmittelbar nach der Partie noch optimistisch geklungen. Die Mannschaft habe ein anderes Gesicht gezeigt als beim desolaten 1:5 gegen Österreich drei Tage zuvor, die Einstellung sei besser gewesen, die zweite Halbzeit richtig gut. Gegen eine sehr starke deutsche Mannschaft habe man sich reingehauen. Addo lobte sein Team, sprach von einem Weg, den der Verband mit ihm fortsetzen wolle. Er irrte sich.
Die Statistik sprach gegen den 50-Jährigen. Vier Niederlagen in Serie, darunter das 0:2 in Japan, das 0:1 in Südkorea und die Klatsche in Österreich. Dazu hatte Ghana unter Addo den Afrika-Cup 2025 in Marokko verpasst – die erste Abwesenheit beim kontinentalen Turnier seit 21 Jahren. Das war für den Verband offenbar zu viel, auch wenn Addo die Mannschaft zuvor zur WM-Qualifikation geführt hatte.
Für den deutschen Fußball ist Addos Geschichte eine besondere. Der Sohn ghanaischer Eltern wuchs in Hamburg auf, spielte in der Bundesliga für den HSV und Borussia Dortmund, war später Co-Trainer beim BVB unter mehreren Cheftrainern. Er lebt bis heute in Düsseldorf. Schon 2022 hatte er Ghana als Interimscoach zur WM nach Katar geführt, wurde dann 2024 zum zweiten Mal als Cheftrainer berufen. Jetzt ist Schluss – und Ghana sucht mitten in der WM-Vorbereitung einen neuen Mann für die Seitenlinie.
Bei der WM trifft Ghana in Gruppe L auf England, Kroatien und Panama. Wer die Black Stars ins Turnier führen wird, ist völlig offen.
