Nach monatelanger Qualifikation auf allen Kontinenten, dramatischen europäischen Playoffs und einem interkontinentalen Turnier in Mexiko stehen alle 48 Teilnehmer der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 fest.
Es ist vollbracht. Nach monatelanger Qualifikation auf allen Kontinenten, dramatischen europäischen Playoffs und einem interkontinentalen Turnier in Mexiko stehen alle 48 Teilnehmer der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 fest. In der Nacht auf Mittwoch fielen in Guadalajara und Monterrey die letzten beiden Entscheidungen. Parallel testeten die WM-Favoriten ein letztes Mal ihre Form – mit teils spektakulären Ergebnissen. Der große Überblick über eine historische Nacht im Weltfußball.
Die letzten Tickets: Irak und DR Kongo schreiben Geschichte
Im Estadio Monterrey sicherte sich der Irak mit einem 2:1-Sieg gegen Bolivien das allerletzte WM-Ticket. Ali Al-Hamadi brachte die Iraker bereits in der 10. Minute in Führung und versetzte die mitgereisten Fans in Ekstase. Bolivien schlug durch Moises Paniagua in der 38. Minute zurück und glich verdient aus. Doch die Mannschaft des asiatischen Kontinents ließ sich nicht beirren. In der 53. Minute war es Aymen Hussein, der mit einem präzisen Abschluss den Siegtreffer erzielte und den Irak zum 48. und letzten WM-Teilnehmer machte.
Für den Irak ist es eine Rückkehr auf die größte Bühne des Weltfußballs nach 40 Jahren Wartezeit. Bei der einzigen bisherigen WM-Teilnahme 1986 in Mexiko war in der Vorrunde Schluss gewesen. Dass die zweite Teilnahme wieder in Mexiko – genauer gesagt in der mexikanischen Grenzstadt Monterrey – besiegelt wurde, hat eine gewisse Symbolik. Bei der WM selbst wartet allerdings eine Hammergruppe: In Gruppe I trifft der Irak auf Frankreich, Norwegen und Senegal. Drei Gegner von Weltklasse-Format. Doch allein die Qualifikation ist für das Land ein Moment von historischer Bedeutung.
Zuvor hatte sich die Demokratische Republik Kongo in Guadalajara ihr Ticket erkämpft – und das auf denkbar dramatische Weise. Gegen Jamaika stand es nach 90 Minuten 0:0. Beide Mannschaften neutralisierten sich über weite Strecken, Chancen waren Mangelware. Die Verlängerung musste die Entscheidung bringen, und sie tat es in der 100. Minute. Axel Tuanzebe vom englischen Zweitligisten FC Burnley traf zum erlösenden 1:0 und schickte sein Land zur erst zweiten WM-Teilnahme nach 1974.
Das Spiel wurde zusätzlich von einem kuriosen Zwischenfall überschattet. Schiedsrichter Facundo Tello verletzte sich während der Partie und musste durch den vierten Offiziellen ersetzt werden – ein höchst seltener Vorgang auf dieser Ebene. Für die DR Kongo spielte das am Ende keine Rolle mehr. Die Spieler lagen sich nach dem Schlusspfiff in den Armen, auf den Tribünen flossen Tränen der Freude. In Gruppe K trifft das Team nun auf Portugal, Kolumbien und Usbekistan – auch hier wird es kein leichter Weg.
Damit ist das Teilnehmerfeld für die größte Fußball-Weltmeisterschaft aller Zeiten komplett. 48 Nationen aus allen sechs Konföderation werden vom 11. Juni bis zum 19. Juli 2026 in den USA, Kanada und Mexiko um den Titel spielen. Insgesamt 104 Spiele stehen auf dem Programm, verteilt auf 16 Stadien in drei Ländern. Es wird ein Turnier der Superlative.
Die großen Favoriten testen: Messi glänzt, Brasilien überzeugt
Während in Mexiko die letzten Tickets vergeben wurden, nutzten die WM-Favoriten den Abend für ihre finalen Härtetests vor dem Turnier. Und die Ergebnisse zeichneten ein klares Bild der Machtverhältnisse.
Titelverteidiger Argentinien demonstrierte in Buenos Aires eindrucksvoll, warum er auch 2026 zum engsten Favoritenkreis gehört. Gegen Sambia gab es ein souveränes 5:0, das nie in Frage stand. Lionel Messi, mit 38 Jahren vor seinem vermutlich letzten großen Turnier, sorgte dabei einmal mehr für Aufsehen und bewies, dass er den Unterschied auf höchstem Niveau noch immer machen kann. Die Seleccion spielte von Beginn an dominant, ließ dem Gegner kaum Luft zum Atmen und kontrollierte die Partie nach Belieben.
Für Trainer Lionel Scaloni waren es die letzten wichtigen Hinweise vor der Kader-Nominierung. Die Offensivabteilung funktioniert, das Mittelfeld kontrolliert, die Defensive steht. Argentinien reist als amtierender Weltmeister und amtierender Copa-America-Sieger nach Nordamerika und wird in Gruppe J auf Algerien, Österreich und Jordanien treffen. Viel schwerer wird es erst in der K.o.-Runde.
Auch Brasilien meldete sich mit einem überzeugenden Ergebnis zurück. In Orlando, einem der WM-Spielorte im Sommer, gelang ein 3:1 gegen Kroatien. Danilo brachte die Selecao in Führung, nach dem Ausgleich sorgten Igor Thiago per Elfmeter und der eingewechselte Gabriel Martinelli für die Entscheidung. Es war ein kontrollierter Auftritt einer brasilianischen Mannschaft, die nach den Enttäuschungen der letzten Turniere hungrig wirkt.
Kroatien, das bei der WM in Gruppe L auf England, Ghana und Panama trifft, zeigte sich in der Defensive anfällig und wird an diesem Bereich bis zum Turnier arbeiten müssen. Für das Team von Trainer Zlatko Dalic war es nach dem Erreichen des WM-Finales 2018 und dem dritten Platz 2022 ein ernüchternder Abend. Die goldene Generation um Luka Modric wird in Nordamerika ein letztes Mal angreifen.
Erneut fehlte bei Brasilien der angeschlagene Neymar. Die Frage, ob der Superstar bei der WM überhaupt dabei sein wird, bleibt das große brasilianische Rätsel. Sollte er fit werden, wäre Brasilien mit einem Sturm aus Neymar, Vinicius Junior und Rodrygo wohl der gefährlichste Angriff des Turniers. Ohne ihn fehlt ein Stück Magie.
Gastgeber USA patzt: Kein gutes Zeichen
Weniger erfreulich verlief der Abend für WM-Gastgeber USA. Gegen Portugal setzte es vor heimischem Publikum eine 0:2-Niederlage. Zwei Monate vor dem Eröffnungsspiel im eigenen Land ist das kein Ergebnis, das Vertrauen weckt. Die Mannschaft von Trainer Gregg Berhalter tat sich über die gesamte Spielzeit schwer, kam kaum zu Chancen und wurde von den Portugiesen phasenweise vorgeführt.
Für die USA steht bei dieser WM alles auf dem Spiel. Als Gastgeber will man nicht nur eine gute Figur machen, sondern das Turnier nutzen, um Fußball in den Vereinigten Staaten endgültig als Volkssport zu etablieren. Ein frühes Ausscheiden wäre ein Rückschlag für die gesamte Fußballbewegung im Land. In Gruppe D warten Paraguay, Australien und die frisch qualifizierte Türkei – keine leichte Aufgabe, selbst mit Heimvorteil.
Deutschland darf sich freuen: Curaçao geht unter
Auch für Deutschland gab es relevante Erkenntnisse, wenn auch indirekt. WM-Gruppengegner Curaçao kassierte eine deutliche 1:5-Klatsche gegen Australien. Der kleine Inselstaat aus der Karibik, der mit gerade einmal 156.000 Einwohnern als größter WM-Neuling der Geschichte nach Nordamerika reist, zeigte dabei massive Schwächen in allen Mannschaftsteilen.
Defensiv war Curaçao gegen die physisch überlegenen Australier völlig überfordert, offensiv fehlte es an Ideen und Durchschlagskraft. Es war eine Vorstellung, die wenig Hoffnung macht für die Gruppenphase. Für Bundestrainer Julian Nagelsmann dürfte das eine beruhigende Nachricht sein: In Gruppe E warten neben Curaçao auch die Elfenbeinküste und Ecuador – zwei deutlich härtere Brocken, aber das Auftaktspiel am 14. Juni in Houston gegen den karibischen Außenseiter sollte für die DFB-Elf eine klare Pflichtaufgabe sein.
Deutschland selbst war nach den beiden gelungenen Testspielen gegen die Schweiz (4:3) und Ghana (2:1) in bester Stimmung ins WM-Jahr gestartet. Sieben Siege in Serie unter Nagelsmann, die Stürmerfrage als einziges echtes Diskussionsthema – das DFB-Team steuert so ruhig wie selten auf eine Weltmeisterschaft zu. Bis zum 12. Mai muss Nagelsmann seinen 26-Mann-Kader benennen. Danach folgt am 31. Mai in Mainz das letzte Testspiel gegen Finnland, bevor es Ernst wird.
Das komplette Teilnehmerfeld der WM 2026
Mit der Qualifikation von Irak und DR Kongo ist das 48er-Feld nun endgültig komplett. 16 Nationen kommen aus Europa, acht aus Südamerika, neun aus Asien, neun aus Afrika, sechs aus Nord- und Mittelamerika und zwei aus Ozeanien. Darunter sind sieben WM-Debütanten: Curaçao, Kap Verde, Jordanien, Haiti, Usbekistan, die DR Kongo und Albanien. Die komplette Gruppenübersicht:
Gruppe A: Mexiko, Südafrika, Südkorea, Tschechien. Gruppe B: Kanada, Bosnien-Herzegowina, Katar, Schweiz. Gruppe C: Brasilien, Marokko, Haiti, Schottland. Gruppe D: USA, Paraguay, Australien, Türkei. Gruppe E: Deutschland, Curaçao, Elfenbeinküste, Ecuador. Gruppe F: Niederlande, Japan, Schweden, Tunesien. Gruppe G: Belgien, Ägypten, Iran, Neuseeland. Gruppe H: Spanien, Kap Verde, Saudi-Arabien, Uruguay. Gruppe I: Frankreich, Senegal, Irak, Norwegen. Gruppe J: Argentinien, Algerien, Österreich, Jordanien. Gruppe K: Portugal, DR Kongo, Usbekistan, Kolumbien. Gruppe L: England, Kroatien, Ghana, Panama.
Das Eröffnungsspiel steigt am 11. Juni im legendären Aztekenstadion in Mexiko-Stadt, wenn Gastgeber Mexiko auf Südafrika trifft. Das Finale findet am 19. Juli im MetLife Stadium in New York statt, jenem Stadion, das sonst den NFL-Giganten der New York Giants als Heimat dient. 82.500 Zuschauer werden dann den neuen Weltmeister feiern.
Für die Fans in Deutschland beginnt die WM am 14. Juni um 19:00 Uhr, wenn die DFB-Elf in Houston gegen Curaçao antritt. Nach dem Ergebnis von gestern Abend dürfte die Vorfreude auf dieses Auftaktspiel noch einmal deutlich gewachsen sein.
