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Die DFB-Elf hat beide Testspiele im WM-Jahr gewonnen, sieben Siege in Serie auf dem Konto – und trotzdem gibt es Gegenwind. Stefan Effenberg, nie um eine klare Meinung verlegen, hat Bundestrainer Julian Nagelsmann nach den Partien gegen die Schweiz und Ghana frontal angegriffen.
Der Ex-Nationalspieler sieht trotz der positiven Ergebnisse keine echten Fortschritte. Beim 4:3 gegen die Schweiz habe die Defensive erneut gewackelt, drei Gegentore seien zu viel für eine Mannschaft mit WM-Ambitionen. Gegen Ghana sei offensiv über weite Strecken zu wenig gekommen. Die Siege seien Ergebnis individueller Klasse, nicht taktischer Weiterentwicklung.
Besonders scharf fiel Effenbergs Kritik am Umgang mit Deniz Undav aus. Der Stuttgarter hatte gegen Ghana in der 88. Minute das Siegtor erzielt, war aber nur als Joker gekommen, obwohl Nick Woltemade in der Startelf zwei Großchancen vergeben hatte. Nagelsmann stellte nach dem Spiel klar, dass die Rollengespräche nicht für den März, sondern für die WM geführt worden seien. An der Stürmer-Hierarchie ändere sich nichts.
Für Effenberg ist das schwer nachvollziehbar. Ein Spieler, der in Stuttgart vor eigenem Publikum das Siegtor schießt, der von den Fans frenetisch gefordert wird und der seine Joker-Rolle mit Toren ausfüllt – den könne man nicht dauerhaft auf der Bank lassen. Nagelsmanns Sturheit in dieser Frage sei kontraproduktiv.
Es ist nicht das erste Mal, dass Effenberg den Bundestrainer öffentlich kritisiert. Doch die Stürmerfrage dürfte bis zur WM das beherrschende Thema bleiben. Havertz, Woltemade oder Undav in der Startelf? Nagelsmann hat sich festgelegt. Ob diese Festlegung die richtige ist, wird sich ab dem 14. Juni in Houston zeigen.
