Beben in Italien! Gattuso, Buffon und Präsident weg
Der italienische Fußball liegt in Trümmern. Keine 48 Stunden nach dem dramatischen Playoff-Aus gegen Bosnien-Herzegowina hat der Verband FIGC durchgegriffen – und zwar mit einer Radikalität, die selbst für italienische Verhältnisse außergewöhnlich ist.
Trainer Gennaro Gattuso wurde mit sofortiger Wirkung entlassen. Der ehemalige Weltmeister von 2006 hatte die Squadra Azzurra nicht zur WM 2026 führen können. Im entscheidenden Playoff-Finale in Zenica ging Italien zwar früh durch Kean in Führung, kassierte dann aber die Rote Karte gegen Bastoni und verlor nach dem Ausgleich durch Tabakovic im Elfmeterschießen mit 1:4. Es war die dritte verpasste WM in Folge – nach dem Scheitern an Schweden 2018 und an Nordmazedonien 2022. Unter Gattusos Vorgängern Roberto Mancini und Luciano Spalletti war die Krise entstanden, Gattuso konnte sie nicht beenden.
Doch der Trainerwechsel war nur der Anfang. Noch am selben Tag erklärte der Verbandspräsident der FIGC seinen Rücktritt. Die Verantwortung für das historische Versagen liege an der Spitze, hieß es in einer knappen Erklärung. Für den italienischen Fußball ist das ein Einschnitt, der weit über den sportlichen Bereich hinausgeht. Der Verband steht vor einem kompletten Neuanfang.
Als wäre das nicht genug, zog auch Gianluigi Buffon die Konsequenzen. Die Torwartlegende, die im Verband eine offizielle Funktion bekleidete, legte sein Amt nieder. Buffon, 2006 selbst Weltmeister und einer der größten Torhüter aller Zeiten, hatte das dritte WM-Aus in Serie offenbar nicht mehr mittragen wollen. Sein Rücktritt hat Symbolkraft: Wenn selbst Buffon geht, ist das System am Ende.
Die italienische Presse überschlägt sich. Von einer „Apokalypse“ schreiben die einen, von einer „Staatsaffäre“ die anderen. Und tatsächlich hat das WM-Aus eine Dimension, die über den Sport hinausgeht. Fußball ist in Italien Kulturgut, Nationalstolz, Identität. Drei WM-Turniere ohne den vierfachen Weltmeister – das ist für viele Italiener schwer zu begreifen.
Die Fragen, die jetzt beantwortet werden müssen, sind grundlegend. Wer wird neuer Nationaltrainer? Wer führt den Verband? Und vor allem: Was läuft strukturell falsch im italienischen Fußball, dass eine Nation mit dieser Tradition seit acht Jahren kein WM-Spiel mehr bestritten hat? Die Nachwuchsarbeit, das Ausbildungssystem, die Philosophie – alles steht auf dem Prüfstand.
Während in Italien die Scherben zusammengekehrt werden, bereitet sich der Rest Europas auf die WM vor. Bosnien-Herzegowina, der Bezwinger der Azzurri, trifft in Gruppe B auf Kanada, die Schweiz und Katar. Edin Dzeko und seine Mitspieler haben Geschichte geschrieben. Italien schaut zu. Mal wieder.
