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Der FC Chelsea greift durch. Am Karfreitag gab Trainer Liam Rosenior auf der Pressekonferenz bekannt, dass Kapitän Enzo Fernández mit sofortiger Wirkung suspendiert wird. Der argentinische Weltmeister fehlt im FA-Cup-Viertelfinale am Samstag gegen den Drittligisten Port Vale und im Premier-League-Topspiel gegen Manchester City am 12. April. Grund: ein öffentlicher Flirt mit Real Madrid, der dem Verein sauer aufgestoßen ist.
Fernández hatte während der Länderspielpause in einem Podcast mit dem argentinischen Influencer Marcos Giles für den Eklat gesorgt. Auf die Frage nach seiner Zukunft antwortete der 25-Jährige, er würde gerne in Madrid leben. Die Stadt erinnere ihn an Buenos Aires. Schon zuvor hatte er nach dem Champions-League-Aus gegen Paris Saint-Germain offengelassen, ob er über das Saisonende hinaus bei Chelsea bleiben werde. Real Madrid als Wunschziel – deutlicher kann man es kaum sagen, ohne den konkreten Vereinsnamen zu nennen.
Für Chelsea war das zu viel. Rosenior fand klare Worte. Es sei enttäuschend, dass Enzo so spreche. Eine Grenze sei überschritten worden in Bezug auf die Kultur und das, was man am Verein aufbauen wolle. Man müsse diese Kultur schützen, und genau das sei während der Länderspielpause nicht passiert. Die vergangenen zehn Tage seien die schwierigsten seiner Karriere gewesen, so der Trainer.
Gleichzeitig ließ Rosenior die Tür einen Spalt offen. Die Suspendierung sei eine Sanktion, kein endgültiger Bruch. Fernández könne nach Ablauf der Sperre in den Kader zurückkehren. Ob das realistisch ist, steht auf einem anderen Blatt. Die Beziehung zwischen Spieler und Verein dürfte nachhaltig beschädigt sein.
Pikant an der Geschichte: Fernández kostete Chelsea im Januar 2023 die Rekordsumme von rund 121 Millionen Euro, als er von Benfica Lissabon kam. Sein Vertrag läuft noch bis 2032. Der Verein sitzt theoretisch am längeren Hebel. Doch wenn ein Spieler mit dieser Vehemenz weg will, wird es schwer, ihn zu halten – selbst bei einer solchen Vertragslänge.
Fernández war beim WM-Triumph Argentiniens 2022 in Katar zum besten jungen Spieler des Turniers gewählt worden und galt als Gesicht der Chelsea-Zukunft. Dass ausgerechnet der Kapitän jetzt die interne Ordnung sprengt, trifft den Verein ins Mark. Zumal auch Teamkollege Marc Cucurella zuletzt die Klubstrategie öffentlich kritisiert hatte. Rosenior sprach von der Notwendigkeit, mehr emotionale Stabilität herzustellen.
Ob Real Madrid tatsächlich ernst macht, ist noch unklar. Die Königlichen haben in diesem Sommer bereits andere Baustellen und müssten für Fernández eine dreistellige Millionensumme aufbringen. Doch allein die Tatsache, dass der Spieler den Wechselwunsch so offen kommuniziert, verändert die Dynamik. Chelsea steht vor der Frage: Einen unzufriedenen 121-Millionen-Star behalten und riskieren, dass die Kabine kippt? Oder den Verlust akzeptieren und das Geld in den Neuaufbau investieren?
Es dürfte einer der heißesten Transfer-Sommer seit Jahren werden an der Stamford Bridge.
