Cottbus droht das Déjà-vu! Energie verspielt den Aufstieg
Bei Energie Cottbus schrillen die Alarmglocken! Noch vor wenigen Monaten schien der Traum von der 2. Bundesliga greifbar nah, jetzt droht den Lausitzern der bittere Absturz. Wieder einmal! Denn was sich in Cottbus aktuell abspielt, erinnert beängstigend an die vorige Saison: starke Hinrunde, schwache Rückrunde, wackelnde Nerven – und plötzlich ist der Aufstieg in Gefahr.
Dabei war die Euphorie riesig. Mit einem furiosen 5:0 gegen den VfB Stuttgart II hatte sich Energie im Herbst auf den Relegationsplatz geschossen und sich als echtes Top-Team der 3. Liga präsentiert. Die Mannschaft von Claus-Dieter Wollitz begeisterte mit mutigem Offensivfußball, schoss Tore am Fließband und setzte sich oben fest. Cottbus war plötzlich mehr als nur ein Außenseiter – Cottbus war ein ernsthafter Kandidat für den Sprung nach oben.
Doch davon ist im Moment nicht mehr viel zu sehen. Das 1:1 gegen den SSV Ulm war bereits das dritte sieglose Spiel in Folge. Statt weiter Druck auf die Konkurrenz auszuüben, rutschte Energie auf Platz fünf ab. Zwei Punkte aus den vergangenen drei Spielen, nur zwei Siege seit dem 23. Spieltag – für ein Team mit Aufstiegsanspruch ist das schlicht zu wenig.
Besonders bitter: Die Konkurrenz marschiert, während Cottbus strauchelt. Tabellenführer Osnabrück sammelte zuletzt fast nach Belieben Punkte, auch Rot-Weiss Essen, Hansa Rostock, Duisburg und Verl sind in deutlich besserer Form. Energie hat in nur wenigen Wochen massiv Boden verloren und wirkt ausgerechnet im Saisonendspurt nicht mehr wie ein Team, das den ganz großen Wurf landen kann.
Das eigentliche Problem ist dabei gar nicht eine Serie von Niederlagen. Cottbus verliert aktuell sogar vergleichsweise selten. Doch die vielen Unentschieden sind Gift im Aufstiegsrennen. Während in der Hinrunde noch regelmäßig Siege eingefahren wurden, lässt Energie im Jahr 2026 zu oft Punkte liegen. Die Folge: Der Punkteschnitt ist deutlich abgesackt – und der reicht aktuell eben nicht mehr für ganz oben.
Auffällig ist vor allem, wie sehr sich das Gesicht dieser Mannschaft verändert hat. In der Hinrunde war Energie ein Spektakel-Team. Viele Tore, offene Spiele, viel Risiko – aber eben auch jede Menge Ertrag. 42 Treffer in der ersten Saisonhälfte waren ein echtes Ausrufezeichen. Nach der Winterpause ist davon deutlich weniger übrig geblieben. Die Spiele sind zäher, die Offensive stockt, die Leichtigkeit ist verschwunden.
Gerade die Unterschiedsspieler hängen durch. Besonders schwer wiegt das Formtief von Tolcay Cigerci. Der Spielmacher ist für Cottbus weit mehr als nur ein wichtiger Spieler – er ist der kreative Motor, der die Mannschaft auf ein anderes Niveau heben kann. Wenn Cigerci glänzt, glänzt oft auch das ganze Team. Doch genau diese besonderen Momente bleiben aktuell zu oft aus. Auch Erik Engelhardt hing lange in der Luft. Sein Treffer gegen Ulm war zwar ein kleines Lebenszeichen, wirkte aber eher wie ein Zufallsprodukt als wie die Rückkehr eines Stürmers in Topform.
Trainer Claus-Dieter Wollitz versucht derweil, Optimismus zu verbreiten. Nach außen gibt er sich kämpferisch, spricht vom Reiz des Saisonfinales und davon, dass es jetzt erst richtig Spaß machen werde. Doch zwischen den Zeilen ist klar zu hören, dass auch er nach Antworten sucht. Denn erklärbar ist die plötzliche Schwäche für ihn offenbar selbst nur schwer. Nach dem starken Sieg in Stuttgart schien die Mannschaft auf dem richtigen Weg, doch statt neuen Schwung mitzunehmen, folgte ein spürbarer Einbruch.
Genau das macht die Lage so gefährlich. In Cottbus werden längst unangenehme Erinnerungen wach. Schon im Vorjahr begann die Schwächephase genau zu diesem Zeitpunkt. Damals rettete sich Energie zwar lange in der Tabelle, brach am Ende aber doch noch ein und verlor den Relegationsplatz. Nun droht sich die Geschichte zu wiederholen – nur diesmal beginnt der Absturz sogar noch früher.
Immerhin bietet der Landespokal gegen den unterklassigen BSC Preußen jetzt die Chance auf einen kleinen Brustlöser. Ein klarer Sieg könnte neues Selbstvertrauen bringen. Doch auch das ist kein Selbstläufer. Denn im Liga-Endspurt warten echte Brocken: Havelse, 1860 München, Osnabrück, Essen, Duisburg, Wiesbaden – das Restprogramm hat es in sich. Viele direkte Duelle, viele Gegner mit eigenen Aufstiegsträumen. Für Energie bleibt da kaum noch Raum für weitere Ausrutscher.
Die Ausgangslage hat sich komplett verändert. Statt als Gejagter geht Cottbus nun als Jäger in die letzten Wochen. Der Druck ist gewaltig, die Form wacklig, die Erinnerungen an den Vorjahres-Kollaps allgegenwärtig. Noch ist der Aufstieg nicht verspielt. Aber klar ist auch: Wenn Energie jetzt nicht schnell die Kurve kriegt, droht am Ende wieder nur die bittere Erkenntnis, dass eine lange brillante Saison doch ohne Happy End endet.
